Lexikon der Katzenrassen
Tauche ein in detaillierte Rasseporträts und entdecke alles über Wesen, Erscheinungsbild und Herkunft der eleganten Samtpfoten. Finde fundierte Ratgeber-Artikel zur optimalen Ernährung, liebevollen Pflege und zum Verständnis des Katzenverhaltens.
Egal, ob du die perfekte Katzenrasse für deinen Lebensstil finden oder dein Wissen über deinen treuen Begleiter vertiefen möchten – hier wirst du fündig.
Europäisch Kurzhaar
Das Original: Robust, anpassungsfähig und der perfekte Allrounder
Titelbild: Abujoy | Wikimedia Commons
Inhaltsverzeichnis
Rasseprofil
Körpergröße: mittel
Gewicht: 3,5 - 7 kg
Farbe: variabel
Fell: kurz, dicht und griffig
Charakter: anpassungsfähig, intelligent, verspielt, sozial, ausgeglichen, guter Jäger
Anspruch an Haltung: gering bis mittel
Lebenserwartung: 15 - 20 Jahre
Anerkennung durch Verbände: FIFe, WCF
Herkunft: Europa
Synonym: EKH
Dieses Netzdiagramm gibt dir einen Überblick über die Eigenschaften der EKH. Je weiter der jeweilige Punkt vom Zentrum entfernt ist, desto stärker ist die Eigenschaft ausgeprägt¹’²’³’⁴’⁵. Die EKH hat z.B. ein mittleres Aktivitätslevel und ist nicht anfällig für Erkrankungen.
Bild: Gundula Vogel | Pixabay
Aussehen: Wie sieht eine Europäisch Kurzhaar aus?
Eine EKH ist der Inbegriff einer harmonischen Katze ohne jegliche Extreme. Ihr Körper ist mittelgroß, muskulös, robust und dennoch geschmeidig. Sie wiegt zwischen 3,5 und 7 kg, die Kater sind meist größer als die Katzen. Die Beine sind von mittlerer Länge und enden in runden, kräftigen Pfoten. Der keilförmige Kopf hat sanfte Konturen, die Ohren sind mittelgroß und stehen aufrecht. Ihre großen, runden Augen können in allen Farben von Grün über Gelb bis Kupfer leuchten, passend zur Fellfarbe. Alles an ihr wirkt stimmig und natürlich – sie ist das perfekte Abbild der Katzen, die seit Jahrhunderten unsere Höfe und Häuser bevölkern.
Im Gegensatz zu Rassen, die stark auf eine Farbe oder ein Muster festgelegt sind (z.B. die Russisch Blau), ist die Stärke der EKH ihre unglaubliche Vielfalt. Fast alle „natürlichen” Katzenfarben und -muster sind bei ihr erlaubt und erwünscht.
Farben: Schwarz, Rot, Blau (Verdünnung von Schwarz), Creme (Verdünnung von Rot), Weiß
Muster: die klassischen Tabby-Zeichnungen (gestromt, getigert, getupft), Schildpatt („Tortie”), Zweifarbigkeit (z.B. Schwarz-Weiß)
Ausnahme: Farben, die auf eine gezielte Einkreuzung anderer Rassen hindeuten, sind nicht zulässig. Das prominenteste Beispiel hierfür sind die Point-Abzeichen, wie sie bei Siam- oder Birmakatzen zu sehen sind.
Haaren europäische Kurzhaarkatzen viel?
Ja, aber es ist in der Regel moderat und gut handhabbar. Der Irrglaube, dass Kurzhaarkatzen nicht oder kaum haaren, ist weit verbreitet. Tatsächlich verliert jede Katze mit Fell Haare, denn dies ist ein natürlicher Prozess zur Erneuerung des Fells. Der Unterschied liegt in der Art der Haare und ihrer Intensität, die von verschiedenen Faktoren abhängt.
Die größte Menge an Haaren verliert eine EKH während des saisonalen Fellwechsels, und das zweimal im Jahr. Im Frühling stößt sie ihr dickes, isolierendes Winterfell ab, um sich auf die wärmeren Monate vorzubereiten. In dieser Zeit wirst du das Haaren am deutlichsten bemerken. Im Herbst verliert sie ihr leichteres Sommerfell, um Platz für den dichten Winterpelz zu schaffen.
Weitere Faktoren, die das Haaren beeinflussen, sind:
Haltung: Reine Wohnungskatzen, die konstanten Temperaturen und künstlichem Licht ausgesetzt sind, haaren oft das ganze Jahr über gleichmäßiger, da die klaren saisonalen Signale fehlen.
Ernährung: Eine hochwertige, proteinreiche Ernährung sorgt für ein starkes, gesundes Fell, das weniger bricht und ausfällt.
Stress: Anhaltender Stress kann ebenfalls zu vermehrtem Haarausfall führen.
Praktischer Tipp: Du kannst das Haaren nicht verhindern, aber sehr gut managen. Bürste deine EKH besonders während des Fellwechsels zwei- bis dreimal pro Woche mit einer weichen Bürste oder einem Pflegehandschuh. So entfernst du lose Haare, bevor sie sich auf deinen Möbeln verteilen, und deine Katze wird die zusätzliche Aufmerksamkeit genießen.
Dreifarbige Katze
Bild: Hadley Woodall | Unsplash
Was sagt man über dreifarbige Katzen?
Unter der riesigen Farbvielfalt der Europäischen Kurzhaar gibt es ein Phänomen, das Katzenliebhaber:innen seit jeher fasziniert: die dreifarbige Katze. Sie wird auch „Kaliko” oder in Deutschland liebevoll „Glückskatze” genannt. Dabei handelt es sich nicht um eine eigene Rasse, sondern um ein besonderes Farbmuster, das ein kleines Wunder der Genetik darstellt und fast ausschließlich bei weiblichen Tieren vorkommt.
Eine Kalikokatze zeichnet sich durch drei klar voneinander abgegrenzte Farben im Fell aus.
Schwarz (oder dessen Verdünnung „Blau“/Grau)
Rot (Orange oder dessen Verdünnung „Creme”)
Weiß
Das Muster besteht aus großen, unregelmäßigen Flecken dieser drei Farben. Eine Katze, die nur die Farben Schwarz und Rot in einem vermischten, „gescheckten” Muster ohne Weißanteil trägt, wird als Schildpattkatze (engl. Tortoiseshell oder „Tortie”) bezeichnet. Fügt man zu diesem Schildpatt-Muster weiße Flecken hinzu, entsteht eine Kalikokatze.
Es gibt eine Besonderheit bei dieser Farbgebung: Glückskatzen sind fast immer weiblich. Der Grund für dieses Phänomen liegt in der Vererbung der Fellfarben, die an die Geschlechtschromosomen gekoppelt ist.
Die genetische Information für die Farben Schwarz und Rot befindet sich auf dem X-Chromosom. Jedes X-Chromosom kann aber immer nur eine dieser beiden Farbinformationen tragen, also entweder die Anweisung für „Schwarz” oder die für „Rot”.
Weibliche Katzen besitzen zwei X-Chromosomen (XX). Somit können sie auf einem X-Chromosom das Gen für Schwarz und auf dem anderen das Gen für Rot tragen. Damit haben sie die genetische Grundvoraussetzung, um beide Farben gleichzeitig im Fell auszubilden.
Männliche Kater besitzen dagegen nur ein X- und ein Y-Chromosom (XY). Da sie nur ein X-Chromosom haben, können sie logischerweise auch nur eine der beiden Farbinformationen tragen – sie sind also entweder schwarz oder rot, aber niemals beides gleichzeitig.
Der wirklich magische Moment findet sehr früh in der embryonalen Entwicklung einer weiblichen Katze statt. Um ein genetisches Ungleichgewicht zu vermeiden, wird in jeder einzelnen Zelle des Embryos zufällig eines der beiden X-Chromosomen dauerhaft „abgeschaltet”.
In einer Zelle, in der das X-Chromosom mit dem Rot-Gen inaktiviert wird, ist das Schwarz-Gen aktiv. Alle Zellen, die aus dieser Zelle durch Teilung hervorgehen, produzieren schwarzes Pigment. So entsteht ein schwarzer Fleck. In einer anderen Zelle wird zufällig das X-Chromosom mit dem Schwarz-Gen abgeschaltet. Hier ist nun das Rot-Gen aktiv und es entsteht ein roter Fleck.
Dieses zufällige „Abschalten” erzeugt das einzigartige, mosaikartige Muster aus schwarzen und roten Flecken. Das Weiß entsteht durch ein separates Gen, das die Pigmentproduktion an manchen Stellen komplett unterdrückt und so die weißen Flecken „darüberlegt”.
Sehr selten wird doch ein männlicher Kaliko-Kater geboren. Dies ist auf einen Gendefekt, das sogenannte Klinefelter-Syndrom, zurückzuführen. Dabei hat der Kater einen abweichenden Chromosomensatz von XXY. Da er zwei X-Chromosomen besitzt, kann er, genau wie eine weibliche Katze, beide Farbgene tragen. Diese Kater sind jedoch fast immer unfruchtbar.
Für die Europäische Kurzhaar ist das häufige Vorkommen von Glückskatzen ein wunderschöner Beweis für ihre natürliche genetische Vielfalt und Ursprünglichkeit.
Zwei Britisch Kurzhaar Katzen
Bild: MelaniMarfeld | Pixabay
Was ist der Unterschied zwischen EKH und BKH?
Die wohl häufigste Verwechslung ist, dass viele glauben, die EKH sei lediglich eine weniger stämmige Variante der Britisch Kurzhaar (BKH). Das ist jedoch falsch. Es handelt sich um zwei völlig eigenständige Rassen mit unterschiedlichen Zuchtzielen und Körperbauten.
Beide Rassen haben ihre Wurzeln in den europäischen Hauskatzen. Während die BKH jedoch gezielt auf einen „cobby” (stämmigen, gedrungenen) Körperbau mit rundem Kopf und „Teddybär-Look” gezüchtet wurde, war das Ziel bei der EKH die Bewahrung des ursprünglichen, athletischen Typs.
Die Unterschiede im Detail:
EKH: muskulöser, aber geschmeidiger Körper, harmonische Proportionen, keine Extreme
BKH: deutlich stämmiger, breite Brust, dicke Beine, runder Kopf, plüschigeres Fell
Charakter und Verhalten: Wie ist das Wesen der Europäisch Kurzhaar?
Die Europäisch Kurzhaar ist der Inbegriff einer natürlichen und ausgeglichenen Katze. Ihr Charakter zeichnet sich durch ein wunderbares Gleichgewicht ohne Extreme aus. Das Netzdiagramm verdeutlicht eindrucksvoll, warum sie für viele Katzenfreund:innen die ideale Wahl als unkomplizierter und anpassungsfähiger Begleiter ist.
Dieses Netzdiagramm gibt dir einen Überblick über die Eigenschaften der EKH. Je weiter der jeweilige Punkt vom Zentrum entfernt ist, desto stärker ist die Eigenschaft ausgeprägt¹’²’³’⁴’⁵. Die EKH hat z.B. ein mittleres Aktivitätslevel und ist nicht anfällig für Erkrankungen.
Bewegung & Charakter (hellblaue Zone)
Im Kern ihres Wesens zeigt die EKH ein gesundes Mittelmaß. Ihr Aktivitätslevel ist moderat, sie ist also keine überdrehte Katze, die pausenlose Bespaßung fordert. Dennoch offenbart sie eine hohe Verspieltheit und schätzt tägliche, ausgiebige Spieleinheiten, bei denen sie ihre Jagdinstinkte ausleben kann. Ihre Intelligenz und Gelehrigkeit sind im mittleren Bereich angesiedelt – sie ist klug und lernt schnell, was für sie von Vorteil ist, ohne jedoch den ständigen „Will-to-Please” einiger anderer Rassen zu zeigen. Sie ist eine pragmatische und anpassungsfähige Jägerin.
Sozialverhalten (dunkelblaue Zone)
Das Sozialverhalten der EKH ist besonders harmonisch. Das Diagramm zeigt eine perfekte Balance zwischen einem moderaten Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und einer ebenso ausgeprägten Selbstständigkeit. Das bedeutet, dass sie aktiv die Nähe zu ihren Menschen sucht und Streicheleinheiten genießt, aber keine Klette ist, die ständig im Mittelpunkt stehen muss. Sie kann sich auch gut allein beschäftigen und ist daher nicht übermäßig fordernd. Ein besonderes Merkmal ist ihre geringe Vokalisierung und Lautstärke: Die EKH gehört zu den eher leisen Vertretern und gibt ihre Wünsche auf subtile Weise und nicht durch lautes Miauen kund.
Verträglichkeit (gelbe Zone)
Ihre größte Stärke liegt in ihrer herausragenden sozialen Verträglichkeit. Die Werte für die Verträglichkeit mit Kindern und mit anderen Haustieren sind sehr hoch. Ihre robuste, geduldige und nicht nachtragende Art macht sie zu einer idealen Familienkatze, die auch in turbulenten Situationen gelassen bleibt. Gleichzeitig gestaltet sich die Vergesellschaftung mit anderen Katzen oder Hunden meist unkompliziert, da sie ein klares, aber faires Sozialverhalten an den Tag legt.
Wichtiger Hinweis zur Verträglichkeit: Die hohe Verträglichkeit der Europäisch Kurzhaar ist zwar ein wunderbares Potenzial, aber keine Garantie. Entscheidend dafür ist eine frühzeitige und positive Sozialisierung. Eine Katze, die bereits als Kitten positive Erfahrungen mit respektvollen Kindern und anderen Tieren gemacht hat, wird dieses Potenzial voll entfalten. Ebenso wichtig ist es, dass die Katze im neuen Zuhause stets eine sichere Rückzugsmöglichkeit hat und alle Familienmitglieder, insbesondere die Kinder, den respektvollen Umgang mit ihr lernen. Unter diesen fairen Bedingungen ist sie ein herausragender Sozialpartner.
Sind EKH Katzen verschmust?
Ja, sie haben definitiv das Potenzial dazu, aber eine Garantie gibt es nicht. Die EKH ist von ihrer Grundveranlagung her eine soziale, menschenbezogene und anhängliche Rasse. In der Regel ist sie keine distanzierte oder unnahbare Katze. Ob sie sich jedoch zu einer richtigen „Schmusekatze” oder gar einem „Schoßkater” entwickelt, hängt von drei entscheidenden Faktoren ab:
individuelle Persönlichkeit: Genau wie bei Menschen ist auch bei Katzen jede Katze ein Individuum. Selbst innerhalb eines Wurfes gibt es mutigere, zurückhaltendere, verspieltere und eben auch verschmustere Charaktere. Eine Garantie für eine Schoßkatze kann dir kein:e Züchter:in der Welt geben.
frühe Prägung: Dies ist vielleicht der wichtigste Faktor. Ein Kitten, das in den ersten Lebenswochen positiven, sanften und liebevollen Kontakt zu Menschen hatte, wird diese als sichere Sozialpartner abspeichern. Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich zu einer vertrauensvollen und kuscheligen Katze entwickelt, ist deutlich höher als bei einem Kitten, das isoliert aufgewachsen ist.
Beziehung und Vertrauen zu dir: Eine Katze schenkt nur dann ihr vollstes Vertrauen und ihre körperliche Nähe, wenn sie sich absolut sicher und wohlfühlt. Sie entscheidet, wann und wie geschmust wird. Bedränge sie niemals, respektiere ihre Grenzen und lasse immer sie den Kontakt initiieren.
Bild: B_kowsky | Pixabay
Geschichte: Ursprung der Europäisch Kurzhaar
Die Europäisch Kurzhaar ist eine der ältesten Katzenformen Europas und gleichzeitig eine der jüngsten offiziell anerkannten Rassen. Um ihre Geschichte zu verstehen, muss man zwischen ihrem natürlichen Vorkommen und ihrer formalen Anerkennung als Rasse unterscheiden.
Die eigentliche Geschichte der EKH beginnt vor fast 2.000 Jahren. Ihre Vorfahren sind die domestizierten Katzen aus dem Alten Ägypten und dem Nahen Osten. Mit den römischen Legionären, Händler:innen und Siedler:innen verbreiteten sie sich über ganz Europa. Diese Katzen waren keine Schoßtiere, sondern hochgeschätzte Nutztiere. Ihre Aufgabe war es, Getreidespeicher, Bauernhöfe, Schiffe und Häuser frei von Mäusen und Ratten zu halten.
Über Jahrhunderte hinweg formte die natürliche Selektion diesen Katzentyp:
Nur die geschicktesten Jäger, die robustesten und anpassungsfähigsten Tiere, überlebten und pflanzten sich fort.
Es gab kein menschliches Eingreifen, das auf bestimmte optische Merkmale abzielte.
So entstand eine perfekt funktionale, mittelgroße und muskulöse Katze mit einem pflegeleichten, kurzen Fell und einem riesigen Genpool – die „Europäische Hauskatze“, wie sie seit Generationen unsere Höfe und Städte bevölkert.
Ende des 19. Jahrhunderts begann in England die moderne Rassekatzenzucht. Züchter wie Harrison Weir begannen, die schönsten und kräftigsten der heimischen Hauskatzen auszuwählen und gezielt zu züchten. Ihr Schönheitsideal war jedoch der „cobby“-Typ: ein runder Kopf, eine breite Brust und ein plüschiges, dichtes Fell – der „Teddybär-Look“. Diese neue Rasse wurde als Britisch Kurzhaar (BKH) bekannt.
Lange Zeit wurden im Ausstellungswesen alle kurzhaarigen Hauskatzen Europas nach dem Standard der Britisch Kurzhaar gerichtet. Der schlankere, athletischere Originaltyp hatte es schwer gegen den massigeren BKH-Typ. Züchter:innen, vor allem in Skandinavien und Deutschland, waren mit der Situation unzufrieden. Sie wollten den ursprünglichen, weniger extremen und athletischeren Typ der europäischen Hauskatze bewahren und sahen ihn durch den BKH-Standard nicht angemessen vertreten.
Insbesondere schwedische Züchter:innen setzten sich für die Schaffung eines eigenen, unabhängigen Rassestandards für diesen ursprünglichen Katzentyp ein. Ihr Ziel war es, eine Rasse zu definieren, die dem natürlichen Original entsprach und sich klar von der stämmigeren Britisch Kurzhaar abgrenzte.
Ihre Bemühungen hatten Erfolg. Im Jahr 1982 erkannte die FIFe (Fédération Internationale Féline), einer der größten europäischen Dachverbände, die Europäisch Kurzhaar (EKH) als eigenständige Rasse mit einem eigenen Standard an.
Ist eine EKH eine normale Hauskatze?
Diese sehr wichtige Frage trifft den Kern eines häufigen Missverständnisses. Die Antwort lautet: Jein. Der Unterschied ist klein, aber entscheidend.
Beide Katzen haben denselben Ursprung. Die Europäisch Kurzhaar (EKH) ist eine gezielte Rassezucht der gewöhnlichen europäischen Hauskatze. Der Zuchtstandard der EKH zielt genau darauf ab, das natürliche, robuste und harmonische Aussehen der ursprünglichen Haus- und Hofkatzen Europas zu erhalten. Sie soll keine extremen Merkmale haben, sondern wie eine „perfekte”, gesunde Hauskatze aussehen. Deshalb sehen sich eine Rassekatze EKH und eine „normale” Hauskatze aus dem Tierschutz oft zum Verwechseln ähnlich.
Der entscheidende Unterschied liegt in der kontrollierten Zucht und dem Stammbaum. Das ist eigentlich wie bei den Hunderassen. Ein Golden Retriever ist eine Rasse mit Stammbaum.
Ein Mischling aus dem Tierheim, der fast genauso aussieht, ist trotzdem „nur” ein Mischling, auch wenn vielleicht ein Golden Retriever in seinen Ahnen steckt. Genauso ist es bei Katzen:
Europäisch Kurzhaar (EKH):
Sie hat einen offiziellen Stammbaum, der ihre Abstammung über Generationen lückenlos nachweist.
Sie stammt aus einer geplanten Verpaarung von zwei reinrassigen EKH-Elterntieren.
Sie muss einem strengen Rassestandard entsprechen (Körperbau, Kopfform, Fell etc.).
Sie wird von eingetragenen Züchter:innen aufgezogen, die Gesundheitsvorsorge für die Elterntiere betreiben.
Europäische Hauskatze (EHK) / „Normale Hauskatze“:
Sie hat keinen Stammbaum. Ihre Vorfahren sind unbekannt.
Sie ist das Ergebnis einer zufälligen Verpaarung, beispielsweise auf dem Bauernhof oder durch unkastrierte Freigänger.
Sie muss keinem Standard entsprechen, auch wenn sie oft wie eine EKH aussieht.
Du findest sie typischerweise im Tierschutz oder als „Bauernhofkätzchen”.
Bild: Gundula Vogel | Pixabay
Haltung und Lebensraum: Welche Ansprüche hat die Europäisch Kurzhaar?
Zubehör: Was braucht die Europäisch Kurzhaar?
Die Europäisch Kurzhaar ist unkompliziert, aber um sie glücklich, gesund und artgerecht zu halten, brauchst du eine durchdachte Grundausstattung. Hier ist eine Checkliste, was deine EKH von Anfang an benötigt, damit sie sich bei dir rundum wohlfühlt.
Futter- und Wassernäpfe: Wähle am besten flache Näpfe aus Keramik, Glas oder Edelstahl. Diese sind hygienisch und leicht zu reinigen. Plastiknäpfe können Gerüche annehmen und bei manchen Katzen Kinnakne verursachen. Stelle die Näpfe nicht direkt nebeneinander und nicht neben die Katzentoilette. Viele Katzen trinken lieber fließendes Wasser. Ein Trinkbrunnen animiert zum Trinken und kann helfen, Harnwegserkrankungen vorzubeugen.
Katzentoilette: Die Faustregel lautet: Mindestens eine Toilette pro Katze, plus eine zusätzliche. Wähle eine ausreichend große, offene Schale. Viele Katzen mögen keine Toiletten mit Haube und Klappe, da sie sich darin eingeengt fühlen und Gerüche sich stauen. Um die beste Katzenstreu zu finden, musst du eventuell etwas experimentieren. Viele Katzen bevorzugen feine, sandähnliche Klumpstreu ohne starken Duft. Wichtig ist, dass du bei der Sorte bleibst, die deine Katze akzeptiert.
Kratzmöglichkeiten: Dies ist der vielleicht wichtigste Punkt, um deine Möbel zu schonen und deine Katze glücklich zu machen! Investiere in einen deckenhohen oder zumindest sehr stabilen Kratzbaum mit dicken Stämmen, der deiner Katze ermöglicht, sich beim Kratzen komplett auszustrecken. Biete an strategischen Orten (z.B. neben dem Sofa) weitere Optionen wie Kratzbretter, Kratztonnen oder Kratzmatten an.
Schlaf- und Rückzugsorte: Auch wenn sich deine Katze ihre Lieblingsplätze oft selbst sucht (dein Bett, die Couch, ein Sonnenfleck), schätzt sie eigene Rückzugsorte. Eine kuschelige Höhle, ein weiches Kissen auf der Fensterbank oder ein Katzenbett sind ideal.
Spiel und Beschäftigung: Katzen brauchen mentale und körperliche Auslastung. Interaktives Spielzeug wie Katzenangeln mit Federn oder Wedeln sind perfekt, um gemeinsam zu spielen und den Jagdinstinkt zu befriedigen. Selbstständiges Spielzeug wie kleine Spielmäuse, Bälle oder Rascheltunnel sorgen für Beschäftigung, wenn du mal nicht da bist. Intelligenzspielzeug wie Fummelbretter oder Snackbälle fordern den Kopf deiner Katze und machen ihr großen Spaß.
Bürste oder Pflegehandschuh: Auch wenn das Fell der EKH pflegeleicht ist, hilft regelmäßiges Bürsten (vor allem im Fellwechsel), lose Haare zu entfernen und beugt Haarballen vor. Es stärkt zudem eure Bindung.
Flohkamm und Zeckenzange: Unverzichtbar, besonders wenn deine Katze gesicherten Freigang genießt. Damit kannst du das Fell schnell auf Parasiten kontrollieren und diese sicher entfernen.
Zahnputzutensilien: Gewöhne deine Katze am besten schon als Kitten an eine spezielle Katzenzahnbürste und -pasta. Das ist die beste Vorsorge gegen Zahnstein und Zahnerkrankungen.
Transportbox: Absolut notwendig für Tierarztbesuche. Achte auf eine gute Belüftung und darauf, dass sie sich leicht und sicher verschließen lässt. Modelle, die sich auch von oben öffnen lassen, sind oft stressfreier für die Katze. Modelle wie Körbe sind leider sehr unpraktisch und sind nicht empfehlenswert.
Kippfensterschutz & Balkonnetz: Gekippte Fenster sind eine tödliche Falle für Katzen! Sichere sie unbedingt mit einem speziellen Schutz. Ein Balkon sollte mit einem Katzennetz gesichert werden, bevor deine Katze ihn betreten darf.
Bild: Gundula Vogel | Pixabay
Einzelkatze oder Zweitkatze? Die Frage nach dem Artgenossen
Grundsätzlich ist die EKH eine soziale Katze, die die Gesellschaft eines Artgenossen sehr schätzt und in den meisten Fällen davon profitiert. Die klare Empfehlung lautet daher: Ja zu einem Artgenossen!
Gerade wenn du berufstätig bist und deine Katze regelmäßig mehrere Stunden allein ist, ist eine Zweitkatze die artgerechteste Lösung. Ein kätzischer Partner bietet etwas, das kein Mensch ersetzen kann.
gegenseitige Fellpflege: ein wichtiges soziales Ritual
gemeinsames Spielen: Raufen und Jagen nach Katzenart
Kommunikation: sie können in ihrer eigenen Sprache kommunizieren
Wärme und Geborgenheit: gemeinsam in einem Körbchen schlafen
Wann kann Einzelhaltung eine Option sein?
Einzelhaltung ist bei einer EKH nicht kategorisch ausgeschlossen, sollte aber die gut überlegte Ausnahme sein. Sie kann funktionieren, wenn:
du sehr viel zu Hause bist, z.B. weil du im Homeoffice arbeitest oder nur wenige Stunden am Tag weg bist, und deiner Katze extrem viel Aufmerksamkeit und Spielzeit widmen kannst.
es sich um ein älteres Tier aus dem Tierschutz handelt. Manche Katzen haben schlechte Erfahrungen gemacht und wurden über Jahre allein gehalten. Sie können den Umgang mit Artgenossen verlernt haben und fühlen sich als alleinige Herrscher ihres Reichs wohler. Das Tierheim kann hierzu die beste Auskunft geben.
Haltungsform: Wohnungshaltung vs. gesicherter Freigang
Eine reine Wohnungshaltung ist möglich, wenn du für ausreichend Beschäftigung und Abwechslung sorgst. Ein gesicherter Balkon oder Garten wird jedoch sehr geschätzt, da sie dort ihrem Jagd- und Erkundungstrieb nachgehen kann. Ungesicherter Freigang birgt Gefahren, ist für diese robuste Rasse aber eine Option, wenn die Umgebung es zulässt.
Wie lange kann eine EKH alleine bleiben?
Eine gesunde, erwachsene EKH kann in der Regel einen normalen Arbeitstag von acht bis neun Stunden alleine verbringen, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Das bedeutet:
Beschäftigung: Die Wohnung muss katzengerecht und anregend gestaltet sein. Ein Kratzbaum mit Aussichtsplattform am Fenster, ein paar versteckte Leckerlis oder ein Intelligenzspielzeug helfen beispielsweise, Langeweile zu vertreiben.
Routine und Sicherheit: Katzen lieben Routinen. Wenn du jeden Tag etwa zur gleichen Zeit gehst und kommst, gibt ihr das Sicherheit.
Qualitätszeit: Die Stunden, in denen du zu Hause bist, sind entscheidend. Plane deshalb vor und nach der Arbeit feste Spiel- und Schmuseeinheiten ein. Deine Katze braucht deine aktive Zuwendung und nicht nur deine Anwesenheit.
Wichtig: Ein Kitten unter vier bis fünf Monaten sollte nur für sehr kurze Zeit (maximal zwei bis drei Stunden) alleine gelassen werden. Es braucht noch sehr viel Nähe und Sozialisierung sowie mehrere kleine Mahlzeiten am Tag.
Ausgaben: Wie viel kostet eine Europäisch Kurzhaar?
Die Kosten lassen sich in zwei Kategorien unterteilen: die einmaligen Anschaffungskosten und die laufenden Kosten.
Anschaffungskosten:
Der Preis für ein EKH-Kitten von seriösen, registrierten Züchter:innen liegt in der Regel zwischen 700 und 1.000 €. Dieser Preis mag hoch erscheinen, deckt aber die hohen Ausgaben und die Sorgfalt der Züchter:innen ab.
Gesundheitsvorsorge: Gentests der Elterntiere auf Erbkrankheiten (HCM, PKD), regelmäßige tierärztliche Betreuung
Aufzucht: hochwertiges Futter, Sozialisierung, Impfungen, Entwurmung und ein Mikrochip
Papiere: ein offizieller Stammbaum, der die Abstammung nachweist
Warnung: Angebote, die deutlich unter diesem Preis liegen (z.B. auf Kleinanzeigenportalen), stammen oft von unseriösen Vermehrer:innen. Hier wird an der Gesundheit und Sozialisierung gespart, was später zu hohen Tierarztkosten und Verhaltensproblemen führen kann. Eine gute Alternative ist der Tierschutz: Manchmal suchen auch reinrassige EKH oder Mixe im Tierheim ein neues Zuhause. Die Schutzgebühr liegt hier meist bei 150 bis 250 €.
Laufende Kosten:
Die Haltung einer Katze ist eine langfristige finanzielle Verpflichtung. Man sollte mit monatlichen Kosten von ca. 50 bis 80 € für folgende Posten rechnen:
Futter: hochwertiges Nass- und Trockenfutter
Katzenstreu
Tierarztkosten: Jährliche Impfungen und Vorsorgeuntersuchungen, Parasitenbehandlungen (ca. 150-200 € pro Jahr). Zusätzlich sollte man ein finanzielles Polster für unvorhergesehene Krankheiten oder eine Katzenkrankenversicherung einplanen.
Bild: Andreas Jabusch | Unsplash
Ist die Europäisch Kurzhaar für mich geeignet?
Ist die Europäisch Kurzhaar eine Anfängerkatze?
Ja, absolut. Wenn es eine Rasse gibt, die man als die ideale Katze für Einsteiger:innen bezeichnen kann, dann ist es die EKH. Ihre Stärke liegt in ihrer Ausgeglichenheit. Sie ist das Ergebnis Jahrhunderte langer natürlicher Entwicklung ohne Einwirkung des Menschen. Das macht sie zu einem verlässlichen und leicht verständlichen Partner für Menschen, die erst lernen, die Katzensprache zu deuten.
Was du als Anfänger:in dennoch beachten musst: Der Begriff „Anfängerkatze” bedeutet nicht „anspruchslos”. Jede Katze braucht Halter:innen, die bereit sind, ihre Grundbedürfnisse zu verstehen und zu erfüllen. Dazu gehören artgerechte Beschäftigung (tägliche Spielzeit!), sichere Kratzmöglichkeiten und vor allem die Auseinandersetzung mit dem Thema Einsamkeit. Gerade für berufstätige Anfänger:innen gilt: Zwei Kätzchen sind fast immer die tierfreundlichere Wahl als eines.
Ist eine Europäisch Kurzhaar eine Familienkatze?
Ja, uneingeschränkt. Ihre Geduld, ihr Spieltrieb und ihre soziale Intelligenz machen sie zu einem wunderbaren Familienmitglied, vorausgesetzt, die Regeln des Zusammenlebens werden von allen respektiert.
Ihre Stärken im Familienleben:
Geduld und Gelassenheit: Im Gegensatz zu nervöseren Rassen lässt sich eine EKH vom alltäglichen Familientrubel nicht so schnell aus der Ruhe bringen. Sie kann sich gut aus dem Geschehen zurückziehen, wenn es ihr zu viel wird, ohne ängstlich zu reagieren.
Spieltrieb: Sie ist fast immer für eine Spieleinheit mit der Katzenangel zu haben, was eine wunderbare Interaktion zwischen Kindern und Katze ermöglicht.
Unabhängigkeit: Sie fordert keine permanente ungeteilte Aufmerksamkeit und kann sich gut selbst beschäftigen, wenn Hausaufgaben gemacht oder das Abendessen gekocht wird.
Die goldenen Regeln für ein harmonisches Zusammenleben:
Der Erfolg hängt entscheidend vom Verhalten der menschlichen Familienmitglieder ab.
Respekt ist das oberste Gebot: Kinder müssen von Anfang an lernen, dass eine Katze kein Spielzeug ist. Am Schwanz ziehen, grobes Anfassen oder das Stören beim Schlafen sind absolut tabu. Die Eltern stehen in der Verantwortung, dies klar zu vermitteln und zu beaufsichtigen.
Rückzugsorte sind heilig: Die Katze braucht mindestens einen Ort (z.B. die Spitze des Kratzbaums oder eine Höhle), an den sie sich zurückziehen kann und an dem sie von den Kindern garantiert in Ruhe gelassen wird. Dieser „Safe Space” ist nicht verhandelbar.
Wenn diese Regeln befolgt werden, baut die EKH oft eine tiefe und liebevolle Bindung zu den Kindern auf und wird zu einem geduldigen, schnurrenden Spielkameraden.
Sind Europäisch Kurzhaar für Allergiker geeignet?
Ein klares Jein, mit starker Tendenz zum Nein: Dies ist ein kritischer Punkt, bei dem falsche Hoffnungen gefährlich sein können. Es gibt keine wissenschaftlich anerkannte „hypoallergene” Katzenrasse und die EKH bildet da keine Ausnahme.
Die Allergie wird nicht durch die Katzenhaare selbst ausgelöst, sondern primär durch das Protein „Fel d 1”. Dieses befindet sich im Speichel, in den Hautschuppen und im Urin der Katze. Beim Putzen verteilt die Katze den Speichel auf ihrem Fell. Trocknet dieser, werden die winzigen Allergene in die Luft gewirbelt und können eingeatmet werden.
Die EKH gehört nicht zu den wenigen Rassen (wie z.B. die Sibirische Katze), bei denen eine natürlich geringere Produktion von „Fel d 1” nachgewiesen wurde. Sie produziert eine normale Menge des Allergens. Der Mythos, dass Kurzhaarkatzen besser für Allergiker:innen geeignet seien, ist somit falsch. Zwar haaren sie anders, aber sie verteilen das allergieauslösende Protein genauso in der Wohnung wie Langhaarkatzen.
Der einzig verlässliche Weg ist der Selbsttest. Wenn du oder ein Familienmitglied unter einer Katzenallergie leidet, der Wunsch nach einer Katze aber riesig ist, gibt es nur einen verantwortungsvollen Weg:
Suche den Kontakt zu dem/der Züchter:in. Erkläre deine Situation offen.
Besuche die Zucht mehrfach und jeweils für mehrere Stunden. Verbringe bei mehreren Besuchen jeweils ein bis zwei Stunden in unmittelbarer Nähe der Katzen und des speziellen Kittens, für das du dich interessierst.
Warte die Reaktion ab: Treten allergische Symptome wie Niesen, juckende Augen oder Atemnot auf? Wenn ja, ist das Projekt „Katze” an dieser Stelle leider beendet. Deine Gesundheit geht vor.
Alles andere wäre unverantwortlich und endet meist damit, dass die Katze schweren Herzens wieder abgegeben werden muss – eine traumatische Erfahrung für Tier und Mensch.
Ängstliche Europäisch Kurzhaar Katze
Bild: Gundula Vogel | Pixabay
Sozialisierung und Zusammenleben
Eine EKH ist klug und lernt schnell die Regeln des Haushalts. Statt „Erziehung” geht es um ein verständnisvolles Miteinander. Positive Verstärkung mit Leckerlis und Lob wirkt trotzdem Wunder und kann die Katze für gewünschtes Verhalten konditionieren. Das Kratzen an Möbeln lässt sich beispielsweise leicht auf den Kratzbaum umlenken. Wenn du sie von klein auf an andere Tiere und Menschen gewöhnst, entwickelt sie sich zu einem extrem sozialen und gelassenen Begleiter.
Die entscheidende Rolle der frühen Sozialisierung
Der wichtigste Grundstein für eine ausgeglichene und furchtlose Katze wird lange vor ihrem Einzug bei dir gelegt, nämlich in der Prägephase bei dem/der Züchter:in. Eine Katze von verantwortungsvollen Züchter:innen bleibt bis zur 12., manchmal sogar bis zur 14. Lebenswoche bei ihrer Mutter und den Geschwistern. In dieser Zeit lernt sie die fundamentalen Lektionen des Katzenlebens: spielerisches Raufen, die Grenzen der Beißhemmung und die Katzensprache.
Gute Züchter:innen sorgen zudem dafür, dass das Kitten in dieser sensiblen Phase positive Erfahrungen mit Menschen macht. Es lernt Alltagsgeräusche wie den Staubsauger, verschiedene Menschen (Männer, Frauen, Kinder) und das Hochgehobenwerden als etwas Normales kennen. Frage die Züchter:innen gezielt danach, wie die Kitten aufwachsen. Ein gut sozialisiertes Kitten ist der beste Schutz vor zukünftigem Angst- oder Aggressionsverhalten.
Positive Verstärkung: Mehr als nur „Erziehung“
Vergiss Strafen wie Anschreien, Wasserspritzer oder gar körperliche Zurechtweisungen. Solche Methoden zerstören das Vertrauen deiner Katze und führen dazu, dass sie dich als unberechenbar und bedrohlich empfindet. Der Schlüssel zu einem harmonischen Zusammenleben ist die positive Verstärkung.
Das Prinzip ist einfach: Jedes erwünschte Verhalten wird sofort belohnt. Als Belohnung eignen sich besondere Leckerlis, ein anerkennendes „Fein gemacht!” oder eine kurze, intensive Spieleinheit.
Clickertraining ist eine fantastische Methode, um mit deiner Katze zu kommunizieren. Der „Click“ ist ein präzises Signal, das deiner Katze im exakten Moment sagt: „Genau das war richtig!“ Unmittelbar nach dem Click folgt die Belohnung. Du kannst deiner Katze damit nicht nur lustige Tricks wie „High Five” beibringen, sondern auch sehr Nützliches.
Beim Medical Training übst du mit deiner Katze spielerisch, dass sie sich überall anfassen lässt, ihre Pfoten gibt oder freiwillig in die Transportbox geht. Belohne jeden kleinen Schritt. Das nimmt Tierarztbesuchen ihren Schrecken und macht notwendige Pflegemaßnahmen stressfrei für alle.
Das stille Örtchen: Der Schlüssel zur Stubenreinheit
Katzen sind von Natur aus sehr saubere Tiere. Wenn eine Katze unsauber wird, ist das fast immer ein Hilfeschrei. Entweder hat sie ein medizinisches Problem (z.B. eine Blasenentzündung – dies sollte immer zuerst tierärztlich abgeklärt werden!) oder ihre Toilette entspricht nicht ihren Ansprüchen.
Die Formel für die perfekte Katzentoilette lautet:
Anzahl: Die goldene Regel lautet: Es sollte immer eine Toilette mehr vorhanden sein als Katzen im Haushalt leben. Für eine Katze also zwei, für zwei Katzen drei usw.
Typ: Wähle eine große, offene Schale ohne Haube. Haubentoiletten fühlen sich für viele Katzen wie eine enge, stinkende Falle an.
Streu: Die meisten Katzen bevorzugen eine feine, sandähnliche Klumpstreu ohne Parfüm. Die Streu sollte hoch genug eingefüllt sein, damit die Katze richtig scharren kann (ca. 7–10 cm).
Standort: Der Standort sollte ruhig, jederzeit zugänglich und weit weg vom Futter- und Wasserplatz sein. Niemand isst gerne neben seiner Toilette.
Bild: Kaiwen Sun | Unsplash
Unerwünschtes Verhalten verstehen und umlenken
Problemverhalten ist oft nur ein normales Katzenverhalten am falschen Ort. Der Trick besteht also nicht darin, das Verhalten zu unterbinden, sondern zu verstehen, warum deine Katze es zeigt und ihr eine bessere, attraktivere Alternative anzubieten.
Fallbeispiel: Kratzen am Sofa
Warum kratzt sie? Nicht, um dich zu ärgern! Sie tut es aus drei Gründen:
Krallenpflege: Sie streift alte Krallenhülsen ab.
Reviermarkierung: Sie hinterlässt sichtbare Spuren und Duftmarken aus ihren Pfotendrüsen („Hier wohne ich!“).
Dehnung: Es ist eine wohltuende Streckübung für ihre Muskeln.
Wie lenkst du es um?
unterbrechen: Wenn du sie auf dem Sofa erwischst, mache ein kurzes, klares Geräusch (z.B. ein festes „Nein!” oder ein lautes Klatschen), um sie zu irritieren.
umlenken: Hebe sie dann sofort und ohne sie zu bestrafen hoch und setze sie an einen stabilen, attraktiven Kratzbaum.
loben: Sobald sie den Kratzbaum benutzt, auch wenn es nur kurz ist, lobe sie überschwänglich und gib ihr ein Leckerli. Sie muss lernen: „Kratzen am Sofa = Störung. Kratzen am Baum = Party!”
Alternative schaffen: Stelle den Kratzbaum an einen strategisch klugen Ort (z.B. in die Nähe des Sofas oder an einen Laufweg), um eine Alternative zu schaffen. Mache das Sofa unattraktiv, indem du es vorübergehend mit doppelseitigem Klebeband beklebst oder mit einem für Katzen unangenehmen Zitrusduft einsprühen.
Dieses Prinzip des Verstehens, Unterbrechens, Umlenkens und Belohnens kannst du auf fast jedes unerwünschte Verhalten anwenden. So förderst du ein harmonisches Zusammenleben, das auf Kooperation statt Konfrontation beruht.
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Ernährung: Was ist das beste Futter für die Europäisch Kurzhaar?
Die kurze Antwort lautet: ein hochwertiges Nassfutter mit einem sehr hohen Fleischanteil. Katzen sind von Natur aus Fleischfresser, ihr gesamter Verdauungstrakt ist auf die Verwertung von tierischem Protein ausgelegt, nicht auf Getreide oder Zucker.
Doch was macht eigentlich gutes Katzenfutter aus? Vergiss bunte Verpackungen und Werbeversprechen. Der einzige Weg, um die Qualität zu beurteilen, ist ein kritischer Blick auf die Deklaration (Zusammensetzung) auf der Dose oder dem Beutel.
hoher, klar definierter Fleischanteil: An erster Stelle der Zutatenliste muss Fleisch stehen. Achte auf klare Angaben wie „70 % bestehend aus Hühnerherzen, Hühnerfleisch, Hühnerleber ...”. Sei misstrauisch bei schwammigen Formulierungen wie „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse” ohne genaue Aufschlüsselung.
kein Zucker, kein Getreide: Zucker (oft getarnt als Karamell oder Rübenschnitzel) ist schädlich und fördert Krankheiten wie Diabetes mellitus. Getreide (Weizen, Mais, Soja) ist ein billiger Füllstoff, den Katzen nicht effizient verwerten können und der oft Allergien oder Verdauungsprobleme auslöst.
ausreichend Taurin: Diese Aminosäure ist für Katzen lebenswichtig und muss über die Nahrung zugeführt werden. Ein Taurinmangel führt zu Herzerkrankungen und Erblindung. In jedem Alleinfuttermittel muss es enthalten sein. In der Liste der "Ernährungsphysiologischen Zusatzstoffe" findest du die Menge. Es sollten 1.000 mg/kg bis 1.500 mg/kg enthalten sein.
Da Katzen von Natur aus schlechte Trinker sind und ihren Flüssigkeitsbedarf ursprünglich über ihre Beutetiere deckten, sollte Nassfutter die Hauptnahrungsquelle sein. Aufgrund seines hohen Feuchtigkeitsgehalts (ca. 80 %) hilft Nassfutter, die Nieren gesund zu halten und Harnwegserkrankungen vorzubeugen. Gutes Nassfutter enthält ca. 10–12 % Rohprotein und ca. 5–8 % Rohfett (siehe „Analytische Bestandteile”). Achtung: Lass dich nicht verwirren. Der Rohprotein-Wert ist nicht gleichbedeutend mit dem Fleischanteil. Es handelt sich um einen analytischen Wert, der den reinen Proteingehalt im Labor misst.
Trockenfutter eignet sich hingegen als Leckerli oder für Intelligenzspielzeug. Es ist zwar praktisch, entzieht dem Körper bei der Verdauung jedoch Wasser. Eine ausschließliche Fütterung mit Trockenfutter stellt ein erhebliches Gesundheitsrisiko für die Nieren deiner Katze dar.
Um Übergewicht zu vermeiden, solltest du die Portionen abwiegen. Füttere mehrere kleine Mahlzeiten. Füttere mindestens zwei bis drei (besser vier bis fünf) kleine Portionen über den Tag verteilt. Dies entspricht dem natürlichen Fressverhalten der Katze, die als Jägerin viele kleine Beutetiere fängt, und hält ihren Stoffwechsel stabil.
Wie viel Futter braucht eine Europäisch Kurzhaar?
Diese Frage hat keine allgemeingültige Antwort in Gramm, denn der individuelle Bedarf einer EKH ist so einzigartig wie ihr Charakter. Die richtige Futtermenge hängt von vielen Faktoren ab. Das oberste Ziel ist dabei immer, ein gesundes Gewicht zu halten. Die entscheidenden Faktoren für die Futtermenge sind:
Alter:
Kitten (bis 12 Monate): Im Wachstum haben sie einen enormen Energiebedarf. Sie dürfen und sollen so viel fressen, wie sie möchten („ad libitum”). Biete ihnen drei bis fünf Mahlzeiten über den Tag verteilt an, damit ihr kleiner Magen nicht überfordert wird.
erwachsene Katze (1–9 Jahre): Der Energiebedarf sinkt. Hier ist eine genaue Kontrolle entscheidend, um Übergewicht zu vermeiden.
Seniorenkatzen (ab 9–13 Jahren): Der Stoffwechsel wird oft langsamer, der Energiebedarf sinkt weiter und der Bedarf an hochwertigen Nährstoffen steigt.
Aktivitätslevel:
Eine gemütliche Wohnungskatze, die den Tag dösend verbringt, braucht deutlich weniger Kalorien als eine EKH, die täglich ausgiebig spielt oder gesicherten Freigang genießt.
Kastrationsstatus:
Kastrierte Katzen haben einen um bis zu 30 % geringeren Energiebedarf als unkastrierte Katzen. Nach dem Eingriff muss ihre Futtermenge unbedingt angepasst werden, um eine schnelle Gewichtszunahme zu verhindern.
Art des Futters (Nass- vs. Trockenfutter):
Nassfutter hat einen hohen Wassergehalt (ca. 80 %) und dadurch eine geringere Kaloriendichte. Eine Katze kann davon größere Mengen fressen, um satt zu werden.
Trockenfutter ist dagegen extrem energiereich. Hier müssen schon wenige Gramm zu viel oder zu wenig genau abgewogen werden.
Praktische Anleitung zur Fütterung:
Jede Futterverpackung enthält eine Fütterungsempfehlung (z.B. Gramm pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag). Dies ist jedoch nur ein grober Richtwert! Beginne mit der empfohlenen Menge für das Idealgewicht deiner Katze.
Ein Beispiel für eine 5 kg schwere, kastrierte EKH mit normaler Aktivität:
nur hochwertiges Nassfutter: ca. 200-250 g pro Tag
nur Trockenfutter (hochwertig): ca. 50-65 g pro Tag
Mischfütterung: beispielsweise 100 g Nassfutter und 25-30 g Trockenfutter
Starte mit dem unteren Wert und verteile diese Menge auf mindestens drei bis vier Mahlzeiten. Wichtig ist dann die regelmäßige Kontrolle des Körperzustands deiner Katze über mehrere Wochen hinweg mit dem sogenannten Rippentest:
Streiche dazu sanft über den Brustkorb deiner Katze.
ideal: Du kannst die Rippen leicht fühlen, ohne sie zu sehen, ähnlich wie bei deinem Handrücken.
zu dünn: Die Rippen sind deutlich sichtbar oder fühlen sich spitz an.
zu dick: Du musst fest drücken, um die Rippen unter einer Fettschicht überhaupt zu spüren.
Passe die Futtermenge in kleinen Schritten (ca. 10 % weniger oder mehr) an, wenn du eine Veränderung feststellst, und beobachte das Gewicht über die nächsten zwei bis drei Wochen.
Übergewichtige Europäisch Kurzhaar-Katze
Bild: Natalya On | Shutterstock
Neigt die Europäisch Kurzhaar zu Übergewicht?
Nein, grundsätzlich neigt die EKH von ihrer genetischen Veranlagung her nicht übermäßig zu Übergewicht. Sie hat einen gesunden, natürlichen Körperbau. Das eigentliche Risiko entsteht durch moderne Haltungsbedingungen.
Die Hauptrisikofaktoren für Übergewicht sind:
Kastration: Nach der Kastration verlangsamt sich der Stoffwechsel um bis zu 30 %, während der Appetit oft steigt. Dies ist der häufigste Grund für eine Gewichtszunahme.
Wohnungshaltung: Eine reine Wohnungskatze verbraucht deutlich weniger Energie als ein Freigänger.
freie Fütterung (Ad-libitum-Fütterung): Ein ständig gefüllter Napf, insbesondere mit energiereichem Trockenfutter, führt fast zwangsläufig zu Übergewicht.
Langeweile und zu viele Leckerlis: Fressen wird zur Hauptbeschäftigung
Wie du Übergewicht effektiv vermeidest:
kontrollierte Portionen: Halte dich an feste Fütterungszeiten und wiege das Futter ab.
Aktivität fördern: Tägliche, aktive Spieleinheiten mit der Katzenangel sind Pflicht! Sorge außerdem für eine anregende Umgebung mit Klettermöglichkeiten.
intelligente Fütterung: Nutze Fummelbretter oder Snackbälle, für die sich deine Katze ihr (Trocken-)Futter erarbeiten muss. Das beschäftigt sie geistig und körperlich.
Leckerlis bewusst einsetzen: Leckerlis sollten für das Training oder als besondere Belohnung reserviert werden und von der täglichen Futterration abgezogen werden.
Ist die Europäisch Kurzhaar anfällig für Futtermittelallergien?
Nein, die EKH ist nicht für eine besondere Anfälligkeit bekannt. Dank ihres großen Genpools und ihrer robusten Natur sind Futtermittelallergien und Unverträglichkeiten bei ihr nicht häufiger als bei anderen Katzenrassen. Allerdings können sie bei jeder Katze auftreten, unabhängig von der Rasse.
Dabei muss zwischen einer echten Allergie und einer Unverträglichkeit unterschieden werden:
Allergie: Eine Überreaktion des Immunsystems auf bestimmte Proteine im Futter. Die häufigsten Auslöser sind gängige Proteinquellen wie Rind, Huhn oder Fisch, manchmal auch Getreide. Symptome sind oft starker Juckreiz, Hautentzündungen und Haarausfall, aber auch Verdauungsprobleme.
Unverträglichkeit: Hier reagiert der Verdauungstrakt auf einen bestimmten Inhaltsstoff, ohne dass das Immunsystem beteiligt ist. Die Symptome sind meist Durchfall und Erbrechen.
Besteht der Verdacht auf eine Futtermittelallergie (z.B. durch ständiges Kratzen oder Verdauungsprobleme), kann eine Ausschlussdiät helfen, den genauen Auslöser zu identifizieren.
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Pflege: Wie pflege ich eine Europäisch Kurzhaar?
Zur Routinepflege einer Katze gehören das Fell, die Zähne, die Ohren und die Krallen. Im Allgemeinen benötigt die Europäisch Kurzhaar eine geringe Pflege.
Fellpflege
Das kurze, dichte Fell der EKH ist praktisch selbstreinigend. Ihre Zunge ist die beste Bürste und sie erledigt den Großteil der Fellpflege souverän alleine.
Wann ist deine Hilfe gefragt? Vor allem während des Fellwechsels im Frühling und Herbst. In dieser Zeit verliert sie besonders viele Haare. Durch regelmäßiges Bürsten werden lose Haare entfernt, die Bildung von Haarballen im Magen reduziert und dafür gesorgt, dass weniger Haare auf deinem Sofa landen.
Wie oft? Außerhalb des Fellwechsels reicht es, sie einmal pro Woche zu bürsten. Während des Fellwechsels kannst du die Frequenz auf zwei- bis dreimal pro Woche erhöhen.
Ideal sind eine weiche Bürste oder ein Pflegehandschuh aus Gummi. Sie entfernen lose Haare sanft und massieren gleichzeitig die Haut. Harte Metallkämme sind für ihr kurzes Fell unnötig und oft unangenehm.
Tipp: Betrachte das Bürsten nicht als lästige Pflicht, sondern als kleine Wellness-Einheit. Die meisten Katzen genießen diese zusätzliche Aufmerksamkeit, und sie stärkt eure Bindung ungemein.
Zahnpflege
Dies ist der wichtigste, aber auch am häufigsten vernachlässigte Punkt der Katzenpflege! Zahnstein, Zahnfleischentzündungen und Zahnerkrankungen sind bei Katzen weit verbreitet. Sie verursachen starke Schmerzen und können zu schweren Folgeerkrankungen im ganzen Körper führen. Prävention ist hier alles.
Warum Zähneputzen? Regelmäßiges Zähneputzen ist die mit Abstand effektivste Methode, um Zahnbelag (Plaque) zu entfernen, bevor er zu hartem Zahnstein wird.
Wie geht das? Gewöhne deine Katze am besten schon als Kitten spielerisch an diese Prozedur.
Besorge eine spezielle Katzenzahnbürste (oder eine sehr weiche Babyzahnbürste) und eine für Katzen geeignete Zahnpasta mit Geschmack, zum Beispiel Leber oder Geflügel.
Lass sie zuerst nur die Paste vom Finger schlecken.
Im nächsten Schritt berührst du mit dem Finger sanft ihre Zähne.
Wenn das klappt, führst du die Zahnbürste ein und putzt vorsichtig die Außenseiten der Zähne.
Wie oft? Ideal wäre täglich, aber auch zwei- bis dreimal pro Woche ist schon ein großer Gewinn für die Gesundheit deiner Katze.
Ganz wichtig: Verwende niemals Zahnpasta für Menschen! Das darin enthaltene Fluorid und die Süßstoffe sind für Katzen giftig.
Ohrenpflege
Die Ohren einer gesunden Katze reinigen sich in der Regel von selbst. Deine Aufgabe ist es, sie regelmäßig zu kontrollieren. So sieht ein gesundes Ohr aus: Es ist blassrosa (außer bei pigmentierten Katzen), sauber und frei von starken Gerüchen.
Worauf musst du achten? Schau einmal pro Woche kurz in die Ohren. Achte auf übermäßiges Ohrenschmalz, Schmutz oder schwarze, krümelige Ablagerungen, die ein typisches Zeichen für Ohrmilben sind. Wenn deine Katze häufig den Kopf schüttelt oder sich an den Ohren kratzt, solltest du genauer hinsehen.
Wie reinigst du? Entferne sichtbaren Schmutz in der äußeren Ohrmuschel vorsichtig mit einem weichen, leicht angefeuchteten Tuch.
Absolutes Tabu: Verwende niemals Wattestäbchen (Q-Tips)! Du riskierst sonst, das empfindliche Trommelfell zu verletzen oder den Schmutz noch tiefer in den Gehörgang zu schieben. Bei Verdacht auf Milben oder eine Entzündung ist der/die Tierärzt:in dein:e Ansprechpartner:in.
Krallenpflege
Eine aktive Katze, die Zugang zu guten Kratzmöglichkeiten hat, kümmert sich in der Regel selbst um ihre Krallenpflege.
Warum ist Kratzen wichtig? Durch das Wetzen an Kratzbäumen, -brettern oder -tonnen entfernen Katzen die äußeren, alten Krallenhülsen und halten ihre „Werkzeuge” scharf.
Wann musst du nachhelfen? Bei reinen Wohnungskatzen oder älteren, weniger aktiven Tieren kann es sein, dass sich die Krallen nicht ausreichend abnutzen. Wenn du hörst, dass die Krallen auf dem Parkett oder Laminat „klicken”, sind sie wahrscheinlich zu lang.
Wie schneidet man die Krallen?
Verwende eine spezielle Krallenschere oder einen Knipser für Katzen.
Drücke sanft auf den Ballen, damit die Kralle ausfährt.
Kürze nur die vorderste, durchsichtige Spitze.
Achte unbedingt auf den rosa schimmernden Teil der Kralle – das ist „das Leben”, der durchblutete und mit Nerven durchzogene Bereich. Wenn du hier hineinschneidest, verursacht das starke Schmerzen und Blutungen!
Tipp: Mache das Krallenschneiden zu einer stressfreien Routine. Beginne mit nur einer Kralle pro Tag und belohne deine Katze im Anschluss ausgiebig. Wenn du dir unsicher bist, lass es dir beim ersten Mal von deinem/deiner Tierärzt:in zeigen.
Europäisch Kurzhaar gelten als robuste Rasse.
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Gesundheit und rassetypische Krankheiten
Die Europäisch Kurzhaar gilt als eine der robustesten und gesündesten Katzenrassen überhaupt. Ein Blick auf das Netzdiagramm bestätigt diesen Ruf eindrucksvoll und zeigt, warum sie oft als Paradebeispiel für eine natürliche und widerstandsfähige Katze herangezogen wird.
Dieses Netzdiagramm gibt dir einen Überblick über die Gesundheit der EKH. Je weiter der jeweilige Punkt vom Zentrum entfernt ist, desto stärker ist das Merkmal ausgeprägt²’³’⁴’⁵. Die EKH ist z.B. mäßig anfällig für Übergewicht und leidet selten an Erbkrankheiten.
Der Wert für Qualzuchtmerkmale liegt auf dem absoluten Minimum. Als Naturrasse ist sie frei von züchterischen Extremen wie Kurzköpfigkeit oder Knorpelanomalien, die bei anderen Rassen zu gesundheitlichen Problemen führen können. Entsprechend gering ist auch die Häufigkeit von Erbkrankheiten. Aufgrund des großen Genpools und der natürlichen Selektion konnten sich rassetypische genetische Defekte kaum manifestieren, wie es bei vielen jüngeren oder stärker durchgezüchteten Rassen der Fall ist.
Ihre allgemeine Anfälligkeit für Erkrankungen ist ebenfalls sehr niedrig. Der einzige nennenswerte Risikofaktor, den das Diagramm aufzeigt, ist eine mittlere Neigung zu Übergewicht. Als anpassungsfähige und oft gute Fresser neigen sie bei reiner Wohnungshaltung und unzureichender Bewegung zur Gewichtszunahme. Eine bewusste Fütterung und ausreichend Spiel- und Bewegungsmöglichkeiten sind daher wichtig, um sie fit zu halten.
Ist die Europäisch Kurzhaar eine Qualzucht?
Nein, ganz im Gegenteil. Sie ist die Antithese einer Qualzucht. Das Zuchtziel der Europäisch Kurzhaar ist die Bewahrung des ursprünglichen, gesunden Phänotyps.
Was bedeutet Qualzucht? Laut Tierschutzgesetz (§ 11b) ist es verboten, Tiere so zu züchten, dass bei den Nachkommen mit Schmerzen, Leiden oder Schäden zu rechnen ist. Eine Qualzucht liegt also vor, wenn ein bestimmtes Schönheitsideal (z.B. eine extrem flache Nase, gefaltete Ohren oder Haarlosigkeit) über die Gesundheit und das Wohlbefinden des Tieres gestellt wird.
Beispiele für Qualzucht-Merkmale bei anderen Rassen:
Brachyzephalie (Kurzköpfigkeit): Die extrem flachen Gesichter mancher Perser- oder Exotisch Kurzhaar-Linien führen zu verengten Atemwegen, ständig tränenden Augen und Zahnfehlstellungen.
Knickohren (Fold-Gen): Das für die gefalteten Ohren der Scottish Fold verantwortliche Gen verursacht zwangsläufig die unheilbare und schmerzhafte Knochen- und Knorpelerkrankung Osteochondrodysplasie (OCD).
Schwanzlosigkeit (Manx-Gen): Das Fehlen des Schwanzes kann zu schweren Missbildungen der Wirbelsäule, zu Nervenschäden und zu Inkontinenz führen. Zudem wird das natürliche Springverhalten der Katze eingeschränkt.
extrem dichtes Fell: Ein überzüchtetes, unnatürlich dichtes Fell (vor allem die Unterwolle) macht es der Katze unmöglich, sich selbst artgerecht zu pflegen. Dies führt zwangsläufig zu schmerzhaften Verfilzungen, Hautkrankheiten und einer gestörten Wärmeregulierung. Die Katze ist vollständig von der täglichen Pflege durch den Menschen abhängig. Betroffen sind z.B. Perserkatzen und moderne Zuchtlinien der Britisch Kurzhaar.
Haarlosigkeit: Wenn Katzen kein Fell haben, beispielsweise Sphynx-Katzen, sind sie nicht mehr vor Kälte, Sonnenbrand und Verletzungen geschützt. Ihre Fähigkeit zur Thermoregulation ist stark eingeschränkt. Zudem sind die Tiere oft auf unnatürliche und für sie stressige Pflegemaßnahmen wie regelmäßiges Baden angewiesen, um Hautprobleme durch übermäßige Talgproduktion zu vermeiden.
deformierte oder fehlende Schnurrhaare: Schnurrhaare (Vibrissen) sind für Katzen lebenswichtige Sinnesorgane zur Orientierung, zur Messung von Öffnungen und zur Jagd. Gekräuselte, brüchige oder fehlende Schnurrhaare (wie bei manchen Rex- oder Nacktkatzen) bedeuten eine massive sensorische Einschränkung und behindern die Katze in ihrem artgerechten Verhalten.
Zwergwuchs: Die extrem kurzen Beine (zum Beispiel bei der Munchkin-Katze) sind die Folge eines Gendefekts, der die Knorpelentwicklung stört. Dies schränkt die natürliche Bewegungsfähigkeit der Katze – Rennen, Springen und Klettern – massiv ein und erhöht das Risiko für schmerzhafte Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen (zum Beispiel Arthrose oder Lordose).
Welche Krankheiten treten gehäuft bei der Europäisch Kurzhaar auf?
Die Antwort ist erfreulich kurz: Es gibt keine spezifischen, gehäuften Krankheiten bei der Rasse Europäisch Kurzhaar. Ihr großer Genpool schützt sie wirksam vor den typischen Problemen, die durch Inzucht und die Konzentration auf einzelne Merkmale entstehen.
Aber auch eine EKH ist eine Katze und kann daher an den allgemeinen genetischen Krankheiten erkranken, die in der gesamten Katzenpopulation vorkommen. Verantwortungsvolle Züchter:innen ruhen sich nicht auf der Robustheit der Rasse aus, sondern testen ihre Zuchttiere auf die wichtigsten dieser Krankheiten, um das Risiko für die Kitten zu minimieren.
Dies sind die beiden häufigsten Krankheiten, auf die du eine:n Züchter:in ansprechen solltest:
HCM (Hypertrophe Kardiomyopathie): Dies ist die häufigste Herzerkrankung bei Katzen aller Rassen. Dabei verdickt sich der Herzmuskel, was die Herzfunktion einschränkt und zu einem plötzlichen Herztod führen kann. Die Krankheit ist oft lange symptomlos. Seriöse Züchter:innen lassen ihre Zuchttiere regelmäßig per Herzultraschall von einem zertifizierten Kardiologen untersuchen. Lass dir die negativen Schallbefunde der Elterntiere zeigen.
PKD (Polyzystische Nierenerkrankung): Bei dieser Krankheit bilden sich Zysten in den Nieren. Diese wachsen im Laufe der Zeit und zerstören das Nierengewebe, was zu chronischem Nierenversagen führt. PKD kann ebenfalls per Ultraschall oder durch einen einfachen Gentest diagnostiziert werden. Ein negativer Befund der Elterntiere gibt dir die Sicherheit, dass dein Kitten diese Krankheit nicht erben kann.
Wenn eine Katze dünn und struppig ist, kann das ein Hinweis auf eine Nierenerkrankung sein.
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Krankheiten erkennen: Auf welche Symptome muss ich bei der Europäisch Kurzhaar achten?
Du kennst deine Katze am besten. Diese enge Verbindung ist entscheidend, denn Katzen sind Meister darin, Schmerzen zu verbergen – eine Eigenschaft, die sie von ihren wilden Vorfahren geerbt haben. Deine wichtigste Aufgabe ist es daher, auf kleinste Veränderungen zu achten. Eine frühzeitige Diagnose kann Leid und bleibende Schäden verhindern und hält zudem die Tierarztkosten niedrig.
Achte auf diese Warnsignale:
Verhaltensänderung: plötzlicher Rückzug, Verstecken, Aggressivität oder Apathie
Fell: wirkt stumpf, ungepflegt oder fettig
Haltung: gekrümmt, angespannt oder eine auffällige Schonhaltung
Katzentoilette (dein wichtigstes Diagnose-Tool): ständiger Toilettengang mit nur kleinen Mengen Urin (Alarmzeichen!), Schmerzlaute (Schreien oder Miauen beim Kot- oder Urinabsatz), plötzliches Urinieren außerhalb der Toilette, Durchfall oder Verstopfung, die länger als 24 Stunden anhalten
Appetitlosigkeit: frisst deutlich weniger oder verweigert das Futter
erhöhter Durst: trinkt plötzlich auffällig viel mehr als sonst
Kauprobleme: lässt Futter aus dem Maul fallen oder kaut nur auf einer Seite
Gewicht: unerklärlicher Gewichtsverlust oder -zunahme
Erbrechen: häufiges oder anhaltendes Erbrechen
Auffälligkeiten: tränende Augen, Nasenausfluss, Mundgeruch oder blasses Zahnfleisch
Bewegung: Lahmheit, Bewegungsunlust oder das Vermeiden von Sprüngen.
Generell gilt: Vertraue deinem Bauchgefühl. Wenn dir etwas ungewöhnlich vorkommt, auch wenn du nicht genau sagen kannst, was es ist, ist eine Kontaktaufnahme mit Tierärzt:innen immer die richtige Entscheidung.
Was tun, wenn Symptome auftreten?
Du bemerkst ein Symptom bei deiner Katze und fragst dich: „Ist das ein Notfall oder nur eine Kleinigkeit?” Bevor du sofort in die Tierarztpraxis fährst oder abwartest und dir Sorgen machst, gibt es eine moderne erste Anlaufstelle.
Telemedizinische Angebote wie der von Tierärzt:innen entwickelte confidu Diagnose Finder helfen dir, die Situation sofort einzuschätzen.
bei leichten Problemen: Du erhältst eine tierärztliche Anleitung, wie du deiner Katze bei Symptomen wie leichtem Durchfall oder Erbrechen selbst helfen kannst – oft reichen schon eine Schonkost oder einfache Hausmittel.
zur Ursachenforschung: Du kannst direkt einen Labortest für eine Kotprobe anfordern, um der Ursache selbst auf den Grund zu gehen.
bei ernsten Anzeichen: Stuft der Diagnose Finder die Symptome als ernsthaft ein, erhältst du die klare Empfehlung, umgehend eine Tierarztpraxis aufzusuchen.
So erhältst du sofort eine verlässliche Orientierung, vermeidest unnötige Praxisbesuche bei Kleinigkeiten und stellst sicher, dass du bei echten Notfällen keine wertvolle Zeit verlierst.
Wie kann ich Krankheiten vorbeugen?
Als verantwortungsvolle:r Halter:in kannst du aktiv dazu beitragen, das Risiko für viele Krankheiten zu minimieren und die Lebensqualität deiner Katze entscheidend zu verbessern. Die folgenden Punkte sind die Grundpfeiler einer jeden guten Gesundheitsvorsorge.
Impfungen: Eine solide Grundimmunisierung gegen die wichtigsten Infektionskrankheiten wie Katzenschnupfen und Katzenseuche ist der grundlegende Schutz für jede Katze und sollte niemals vernachlässigt werden.
Parasitenschutz: Ein konsequenter Schutz vor Parasiten wie Flöhen, Zecken und Würmern ist unerlässlich, um Folgeerkrankungen wie Hautentzündungen oder einen starken Wurmbefall zu vermeiden.
gesunde Ernährung: Eine artgerechte und hochwertige Ernährung mit einem hohen Fleischanteil bildet die Basis für ein starkes Immunsystem und beugt ernährungsbedingten Krankheiten vor.
Bewegung und Beschäftigung: Tägliche Spieleinheiten und eine anregende Umgebung mit Klettermöglichkeiten halten deine Katze körperlich fit, geistig ausgelastet und helfen dabei, Übergewicht zu verhindern.
regelmäßige Pflege: Durch routinemäßige Pflege, insbesondere das Zähneputzen, erkennst du Veränderungen am Körper deiner Katze frühzeitig und beugst schmerzhaften Erkrankungen vor.
Stress minimieren: Ein stabiles, harmonisches Umfeld mit festen Routinen und sicheren Rückzugsorten reduziert chronischen Stress, der das Immunsystem schwächen und Krankheiten auslösen kann.
tierärztliche Vorsorgeuntersuchungen: Ein jährlicher Gesundheits-Check-up in der Tierarztpraxis, auch wenn deine Katze gesund erscheint, ist unerlässlich, um einen professionellen Blick auf ihren Zustand zu werfen und eine Basis für zukünftige Vergleiche zu schaffen.
Fäden können zur Gefahr werden, wenn eine Katze sie verschluckt.
Bild: skorchanov | Pixabay
Wie kann ich Unfällen und Vergiftungen vorbeugen?
Eine katzensichere Wohnung ist die beste Lebensversicherung für deine neugierige Katze und schützt sie vor den häufigsten Gefahren des Alltags.
Fenster und Balkone: Sichere gekippte Fenster mit einem speziellen Schutz und statte Balkone mit einem Katzennetz aus, um tödliche Stürze zu verhindern.
giftige Pflanzen: Verbanne alle für Katzen giftigen Zimmerpflanzen, insbesondere hochtoxische Lilien, vollständig aus deinem Haushalt und von deinem Balkon. Im Gift-Lexikon von confidu findest du eine Übersicht sowie detaillierte Beschreibungen der häufigsten Giftpflanzen und weitere Giftstoffe für Hunde und Katzen.
gefährliche Substanzen: Bewahre Putzmittel, Medikamente, Chemikalien und Frostschutzmittel immer außer Reichweite in fest verschlossenen Schränken auf.
menschliche Lebensmittel: Gib deiner Katze niemals für sie giftige menschliche Lebensmittel wie Schokolade, Zwiebeln oder Weintrauben und lasse Essensreste nicht offen stehen.
kleine Gegenstände und Schnüre: Lasse niemals Schnüre, Wollfäden, Haargummis oder kleine Plastikteile unbeaufsichtigt herumliegen, da diese verschluckt zu einem lebensgefährlichen Darmverschluss führen können.
Haushaltsgeräte: Kontrolliere vor dem Start immer die Trommel von Waschmaschine und Trockner, da diese bei Katzen beliebte, aber lebensgefährliche Verstecke sind.
Absicherung: Welche Versicherung braucht die Europäisch Kurzhaar?
Auch für eine so robuste Katze ist eine Krankenversicherung eine sinnvolle Investition in ihre Gesundheit und deine finanzielle Sicherheit. Ein unerwarteter Unfall oder eine chronische Krankheit im Alter können schnell Kosten im vierstelligen Bereich verursachen. Eine Versicherung stellt sicher, dass du deiner Katze immer die bestmögliche Behandlung ermöglichen kannst, ohne dir Sorgen über die Rechnung machen zu müssen.
Grundsätzlich gibt es zwei Versicherungsmodelle:
OP-Versicherung: Dies ist die grundlegende Absicherung. Sie übernimmt die Kosten für notwendige chirurgische Eingriffe, sei es nach einem Unfall oder aufgrund einer Krankheit. Oft sind auch die Kosten für Diagnostik und Nachbehandlung im Zusammenhang mit der OP abgedeckt. Diese Variante ist günstiger und sichert die teuersten denkbaren Fälle ab.
Vollkrankenschutz: Er ist das „Rundum-sorglos-Paket”. Zusätzlich zu den Operationskosten deckt diese Versicherung auch die Kosten für reguläre tierärztliche Behandlungen ab, z.B. Diagnostik (Blutuntersuchungen, Ultraschall), Medikamente oder die Behandlung chronischer Krankheiten. Er ist teurer, bietet aber den umfassendsten Schutz.
Eine OP-Versicherung ist das empfohlene Minimum für jede:n Katzenhalter:in. Ein Vollkrankenschutz bietet maximale Sicherheit und ist besonders für Halter:innen sinnvoll, die für alle Eventualitäten gewappnet sein möchten.
Europäisch Kurzhaar Kitten
Bild: Abujoy | Wikimedia Commons
Lebensphasen: So altert die Europäisch Kurzhaar
Wie lange lebt eine europäische Kurzhaarkatze?
Die Europäisch Kurzhaar ist eine sehr langlebige Rasse. Bei guter Pflege, artgerechter Haltung und Ernährung erreichen EKH ein durchschnittliches Alter von 15 bis 20 Jahren. Eine reine Wohnungskatze hat statistisch gesehen eine höhere Lebenserwartung als ein Freigänger, da sie weniger Gefahren, wie beispielsweise Verkehrsunfälle oder Revierkämpfe, ausgesetzt ist.
Wann sind Europäisch Kurzhaar ausgewachsen?
Hier muss zwischen körperlicher und geistiger Reife unterschieden werden:
Körperlich erreicht eine EKH ihre volle Größe und ihr endgültiges Gewicht in der Regel mit etwa 12 Monaten. Oft festigen sich ihre Persönlichkeit und ihr Charakter erst vollständig, wenn sie zwei bis drei Jahre alt ist. Die Phase dazwischen kann als ihre „Teenager-Zeit” bezeichnet werden, in der sie noch sehr verspielt und manchmal auch etwas stürmisch ist.
Ab wann ist eine Europäisch Kurzhaar ein Senior?
Die Europäisch Kurzhaar gilt ab 9 - 13 Jahren als Senior. Ab 13 Jahren erreicht sie die geriatrische Lebensphase. Wenn deine Katze ein höheres Alter erreicht, sind einige liebevolle Anpassungen nötig, um ihre veränderte körperliche und geistige Fitness auszugleichen und ihr einen komfortablen und würdevollen Lebensabend zu ermöglichen:
Barrierefreiheit schaffen: Was früher ein Katzensprung war, kann nun eine Hürde sein. Erleichtere deiner Katze den Zugang zu ihren Lieblingsplätzen (Fensterbank, Sofa) mit kleinen Rampen oder Hockern, die als Stufe dienen. Eine Katzentoilette mit niedrigem Einstieg schont die Gelenke.
Ernährung anpassen: Wechsle zu einem hochwertigen Senior-Futter. Dieses ist oft kalorienreduziert, um Übergewicht vorzubeugen. Es enthält hochverdauliche Proteine, die die Nieren schützen, und ist mit Nährstoffen angereichert, die die Gelenke unterstützen. Für ältere Katzen mit eventuellen Zahnproblemen ist Nassfutter oft angenehmer zu fressen.
intensiviere die Gesundheitsvorsorge: Der jährliche Gesundheits-Check-up wird nun zum halbjährlichen Senioren-Check-up. Eine regelmäßige Blutuntersuchung ist jetzt entscheidend, um altersbedingte Krankheiten wie Niereninsuffizienz, Diabetes mellitus oder eine Schilddrüsenüberfunktion frühzeitig zu erkennen.
Pflege unterstützen: Arthrose kann die Fellpflege erschweren. Hilf deiner Katze deshalb mit sanften Bürsten-Einheiten, ihr Fell sauber und filzfrei zu halten. Achte auch vermehrt auf die Krallen, die sich eventuell nicht mehr so gut abnutzen.
Ruhe und Komfort bieten: Ein Senior schläft mehr und schätzt seine Ruhe. Sorge deshalb für viele warme, weiche und zugluftfreie Schlafplätze. Eine Heizdecke oder ein Wärmekissen werden oft dankbar angenommen.
Spiel und Geist fit halten: Die wilden Jagdspiele werden weniger, aber geistige Anregung bleibt wichtig. Biete ihm ruhigere Spiele am Boden an, nutze Fummelbretter oder gönne ihm einfach mehr Zeit für gemütliche Schmuse- und Kuscheleinheiten.
Kastration: Wann ist der richtige Zeitpunkt?
Die Kastration ist kein optionaler, sondern ein fundamentaler und unverzichtbarer Bestandteil einer verantwortungsvollen Katzenhaltung.
Idealerweise erfolgt die Kastration vor der Geschlechtsreife, die je nach Katze zwischen dem 4. und 9. Lebensmonat eintritt. Die meisten Tierärzt:innen empfehlen eine Kastration im Alter von etwa 5 bis 8 Monaten. Viele Tierheime und Züchter:innen praktizieren die sogenannte Frühkastration (bereits mit 10 bis 14 Wochen). Diese ist nachweislich sicher und hat viele Vorteile.
Ein wichtiger Mythos ist die Vorstellung, eine Katze müsse „einmal rollig werden” oder „einmal Junge bekommen”. Dies ist ein rein menschlicher Gedanke, der keinerlei gesundheitlichen oder psychologischen Nutzen für das Tier hat – im Gegenteil, er birgt nur Risiken.
Das confidu Katzenrassen-Lexikon wird von unseren Tierärzt:innen nach aktuellem wissenschaftlichen Standard mithilfe von aktueller Literatur und neuesten Studien verfasst.
Quellen:
a The Cat Encyclopedia: The Definitive Visual Guide, Dorling Kindersley, 2014 Dorling Kindersley Limited
b Veterinary Medical Guide to Dog and Cat Breeds, J.S. Bell, K.E. Cavanagh, L.P. Tilley, F.W.K. Smith, 2012 Tenton NewMedia
1 Zur Beurteilung des Verhaltens wurden verschiedene Merkmale berücksichtigt, darunter Aktivitätslevel, Verspieltheit, Gelehrigkeit, Intelligenz, Vokalisieren und Lautstärke, Selbstständigkeit, Bedürfnis nach Aufmerksamkeit, Verträglichkeit mit Kindern und Verträglichkeit mit Haustieren. Jede Katzenrasse wurde anhand dieser Eigenschaften auf einer Skala von 1 (am wenigsten ausgeprägt) bis 10 (am stärksten ausgeprägt) bewertet. (Quelle: Encyclopedia of Cat Breeds, 2nd Edition by J. Anne Helgren, April 2013)
2 Die Lebenserwartung wurde in Anlehnung an "Veterinary Medical Guide to Dog and Cat Breeds", J.S. Bell, K.E. Cavanagh, L.P. Tilley, F.W.K. Smith, 2012 Tenton NewMedia sowie "Life tables of annual life expectancy and risk factors for mortality in cats in the UK", Kendy Tzu-yun Teng et al., Februar 2024, Journal of Feline Medicine and Surgery erstellt.
3 Die Gesundheitsparameter Anfälligkeit für Krankheiten, Auftreten von Erbkrankheiten und Anfälligkeit für Übergewicht wurden in Anlehnung an "Veterinary Medical Guide to Dog and Cat Breeds", J.S. Bell, K.E. Cavanagh, L.P. Tilley, F.W.K. Smith, 2012 Tenton NewMedia erstellt.
Die Klassifizierung der Krankheitsanfälligkeit basiert auf der Anzahl und Häufigkeit von Krankheiten.
Basierend auf der durchschnittlichen Anzahl von Krankheiten pro Rasse wurde eine Einteilung in 10 Klassen vorgenommen. Rassen, bei denen 0-10 Krankheiten auftreten, werden der Klasse 1 zugeordnet, Rassen mit mehr als 90 Krankheiten der Klasse 10.
Abhängig von der Häufigkeit des Auftretens der Krankheiten wurde eine weitere Einteilung in 10 Klassen vorgenommen. Dazu wurden alle bekannten Häufigkeiten pro Rasse addiert und das Minimum (Summe aller Häufigkeiten, 1) berechnet. Daraus wurde eine Klasse zwischen 1 (Wert liegt zwischen 0-10%) und 10 (Wert liegt über 90%) gebildet.
Aus den beiden Klassen (Anzahl der Erkrankungen und Häufigkeit der Erkrankungen) ergibt sich die Gesamteinstufung der Krankheitsanfälligkeit als Maximum.
Die Einstufung der Erbkrankheiten erfolgt analog zur Einstufung der Krankheitsanfälligkeit.
4 Die Einstufung hinsichtlich der Qualzuchtmerkmale erfolgt auf der Grundlage der Anzahl und Ausprägung der Qualzuchtmerkmale, die in einer Rasse häufig auftreten. Dazu gehören Brachyzephalie (Kurzköpfigkeit), Knickohren (Fold-Gen), Schwanzlosigkeit (Manx-Gen), extrem dichtes Fell, Haarlosigkeit, deformierte oder fehlende Schnurrhaare, Zwergwuchs, Vielfingrigkeit, helle Fell- und Augenfarbe. Rassen mit einem Qualzuchtmerkmal wurden in Klasse 4, Rassen mit 2 Merkmalen in Klasse 7 und Rassen mit 3 und mehr oder stark das Leben beeinträchtigenden Merkmalen in Klasse 10 eingestuft. Als Quelle wurde https://www.bundestieraerztekammer.de/tierhalter/qualzuchten/ verwendet.
5 Der Pflegeaufwand wurde "The Cat Encyclopedia, Dorling Kindersley", First American Edition, DK, 2014 entnommen. Ein besonders hoher Pflegeaufwand wurde mit maximal 10 Punkten bewertet, ein besonders niedriger mit einem Punkt. Dies setzt sich wie folgt zusammen: Die Angabe zur Fellpflege wurde in maximal 6 Punkte umgewandelt, wobei wöchentlich 1 Punkt, wöchentlich bis 2–4-mal wöchentlich 2 Punkte, wöchentlich bis täglich 3 Punkte , 2–4-mal wöchentlich 4 Punkte, 2–4-mal wöchentlich bis täglich = 5 Punkte und täglich 6 Punkte entspricht. Zusätzliche Punkte wurden für eine erforderliche Augenpflege vergeben: 1 Punkt, wenn regelmäßige Augenpflege nötig, und 2 Punkte, wenn täglich Augenpflege nötig ist. Für eine über das normale Maß hinausgehende Pflege von Krallen, Zähnen, Ohren oder Haut gibt es zusätzlich maximal 2 Punkte.